Die Geschichte des "Hotel-Restaurant Berghof"

Ist es zu glauben?

 

Wenn Sie bei uns im Thekenraum an der langen Bar sitzen, befinden Sie sich eigentlich im ehemaligen Kolonialwarenladen von Anna Semmler, den sie 1932 eröffnete. Er befand sich im damaligen Wohnhaus der Familie Semmler. Die ehemaligen Wände sind zum Teil noch erhalten. Hier liegt der Ursprung des ganzen Unternehmens "Berghof".

 

Anna Semmler legte ihr ganzes Herzblut in den Laden, denn nachdem ihr Mann Emil 1948 starb, musste sie sich und ihre sechs Kinder weiter versorgen. Irgendwann ergab es sich, dass sie auch Flaschenbier und belegte Brote anbot, was gerne angenommen wurde. Einer von Anna Semmlers Söhnen, der gelernte Schreiner Paul, fasste schließlich den Entschluss, sein Elternhaus umzubauen und den Kolonialwarenladen mit einem Gastraum auszustatten und somit in eine Kneipe umzuwandeln. So entstand im Jahre 1961/62 in einem Anbau zur Straße hin ein Laden im Kellergeschoss und ein Gastraum oben drüber, dem heutigen Restaurant, in dem das Salatbuffet steht. Die großen Fensterscheiben des Ladens sieht man übrigens heute noch, wenn man auf der Almendorfer Straße am Berghof vorbeifährt.

 

1963 wurde schließlich das Gast- und Pensionshaus "Berghof" mit 70 Sitzplätzen und 3 Doppelzimmern eröffnet. Paul heiratete dann seine Klara aus dem 2 km entfernten Stöckels, die die Köchin und gute Seele des "Berghofs" wurde.

 

Im Rythmus von vier Jahren baute Paul Semmler das Haus weiter um, er erweiterte das Angebot an Sitzplätzen und Zimmern für Übernachtungsgäste. 1967 gab es bereits 100 Sitzplätze und 21 Betten sowie eine größere Küche.

1971 wurde der linke Trakt errichtet mit 12 weiteren Betten und 50 weiteren Sitzplätzen sowie neuen WCs.

 

In 1975/76 begann ein neuer Umbau mit zwei weiteren Trakten, in denen es auch ein Hallenbad, eine Sauna und zwei Kegelbahnen gab. Im Mai 1988 wurde abermals umgebaut. 14 Zimmer wurden weggerissen, neue errichtet. Nun sah der "Berghof" so aus, wie man ihn heute kennt. Noch heute ist der "Berghof" auch das Zuhause der Semmlers.


Aus dem Rhön-Spiegel 1993:

Zeitungsbericht von  Helmut Laibach

 

In der Ferne grüßen bereits die schneebedeckten Gipfel der hohen Rhön, als ich mich anschickte, das Hotel-Restaurant Berghof im Petersberger Ortsteil Almendorf anzusteuern. Dessen Besitzer Paul Semmler war mir vorab als moderat, unkompliziert und freundlich beschrieben worden. Und ich muss sagen, alle diese Attribute treffen zu.

 

Berghof Almendorf, mit dieser gastronomischen Bezeichnung verband ich auf dem Weg dorthin zunächst einmal eine Erinnerung. Den Berghof in Almendorf erwählte man, bereits in meinen Jugendtagen zum Ziel, wenn man einmal gut essen wollte. Ich formuliere bewusst „er“wählte und nicht wählte; will sagen: Das Haus, das ich Ihnen, verehrte Leserinnen und Leser in der Weihnachtsausgabe unseres Freizeitmagazins Rhön-Spiegel vorstellen will, war schon in den sechziger Jahren ein gastronomischer Begriff.

 

Als ich freilich die weiträumige Hotelhalle mit offenem Kamin, erlesenen Teppichen und Möbeln, geschmackvollen Blumen und Pflanzenschmuck betrat, war ich erstaunt und fasziniert gleichermaßen: Die Almendorfer Gaststätte von einst war zu einem Hotel-Restaurant geworden, das man in einem Dorf von gut 300 Einwohnern nur mit bestem Vorstellungsvermögen vermuten würde. Ich muss einen Moment warten, denn trotz Suche ist Paul Semmler nicht sofort zu finden. Irgendwo im Haus sei der Chef gerade unterwegs, erfahre ich von einer freundlichen, gleichermaßen charmanten Bedienung, und ehe sie wieder in der Küche verschwindet, teilt sie mir noch mit, es könne nicht lange dauern, bis der Chef zum abgesprochenen Gespräch komme.

 

„Da ist jemand, der will etwas fotografieren“, höre ich plötzlich jemanden sagen. Ich wandte mich um und fragte: „Sind Sie Herr Semmler?“ - „Wir waren zu einem Gespräch verabredet...“ Wenige Minuten später sitzen Paul Semmler und ich im Foyer des Berghofes und plaudern zunächst über Gott und die Welt.

 

Unser gemeinsamer Rhöner Dialekt bringt uns binnen kürzester Zeit einander näher. Die Aufzeichnungen zu diesem Bericht geschehen nur noch sporadisch. Ich weiß, das meiste merke ich mir ohnehin, weil es klingt wie das Märchen von einem, der vom Tellerwäscher bis zum Millionär aufgestiegen ist. Im Falle des Paul Semmler zu Almendorf müsste der Titel eines Filmes, würde man ihn drehen – und das wäre gar nicht so abwegig – „Vom gelernten Schreiner zum Hotelbesitzer“ lauten. Wäre es schließlich ein Streifen aus der Stummfilmzeit, dann wäre einer der notwendigen Untertitel sicher folgender: „Alle vier Jahre um- oder angebaut“. Ich will mich durchaus nicht als Regisseur betätigen, das Schreiben reicht völlig aus. Aber warum ich diese Passage einfließen lasse: Der Bericht wird die Auflösung bringen, liebe Leserinnen und Leser. Doch zunächst wieder etwas Historisches. Es lässt mich schlichtweg nicht los.

 

Vor Generationen muss es in Almendorf schon einmal eine Dorfschänke gegeben haben, denn es existiert hier der Hausname „Wirts“, mehr freilich nicht, was die Spuren einer Gastronomie andeuten könnte. Anna Semmler, die Mutter des gelernten Schreiners Paul Semmler, betrieb in Almendorf einen Kolonialwarenlädchen und verkaufte so nebenher Flaschenbier; das war in den 50er und Anfang der 60er Jahre nicht so ganz nach den Buchstaben des Gesetzes, wurde aber von der Almendorfer Bevölkerung bei "Emils", wie das Kleinod an Tante-Emma-Laden in mundartlicher Einfärbung hieß, gerne angenommen. Doch eines Tages war Schluss mit dem, was man heutzutage in nostalgischer Rückbesinnung „Idylle“ nennen würde.

 

Was nun zu tun gewesen sei, wollte ich von Paul Semmler wissen. „Am 25. Mai 1963 habe ich den Kolonialwarenladen in eine Kneipe umgewandelt“, sagt der heutige Hotel- und Restaurantbesitzer, der mittlerweile 25 Bedienstete „auf der Lohnliste hat“. Eigentlich, so Paul Semmler, habe er vor drei Jahrzehnten das gesamte Elternhaus umfunktioniert. Neben Bier und Branntwein als Zungenlöser habe man auch schon belegte Brote zur Beruhigung der Magennerven angeboten. Und schließlich habe er bei der ganzen Umfunktionierei auch schon die ersten drei Fremdenzimmer einkalkuliert. Mutter Anna habe ob solcher Pläne die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und nur noch hervorgebracht: „Welcher Übernachtungsgast verirrt sich denn hier her...?“

 

Nein, verheiratet sei er zu dieser Zeit noch nicht gewesen, lässt Paul Semmler mich wissen, um dann mit einem gewissen Schalk in den Augen fortzufahren. „Vier Wochen musste ich doch erst die Wirtschaft machen, um die Verwandtschaft satt zu kriegen!“ Einen Monat nach dem Umfunktionieren des Elternhauses und des Kolonialwarenladens von Mutter Anna heiratete Paul Semmler seine Klara aus dem zwei Kilometer entfernten Stöckels. Dem ehrbaren Handwerk des Schreiners sei er trotz jungen Ehe- und Wirtsstandes immer noch nachgegangen. Aber irgendwann in den 60er Jahren habe er dann vor der entscheidenden Frage gestanden. „Was machst du jetzt...?“

 

Im erlernten Schreinereiberuf habe „die ewige Bettelei“ darin bestanden, entweder Aufträge und Ware oder, wenn die Aufträge erledigt worden waren, das Geld dafür zu bekommen. 1967 wurde die Küche erweitert, und im ersten Stock richteten Paul und Klara Semmler vier Fremdenzimmer ein, zwei davon bereits mit Nasszellen. Wie man so etwas nur machen könne, habe ihn ein Bauarbeiter im Brustton der Skepsis gefragt – und gewarnt: eine Nasszelle in einem Schlafzimmer, da verschimmele doch aber auch alles...

 

1971 wurde umgebaut, 1975 wieder, bis 1988/89 ein drittes Stockwerk auf das immer stattlicher und schöner werdende Haus aufgesetzt wurde. Heute hat das Hotel-Restaurant Berghof in Almendorf 54 Fremdenzimmer mit insgesamt 94 Betten und selbstverständlich allen Komfort, den der Gast der Moderne wünscht. Zum Haus gehören ein ganz exklusiver Bar-Theken Raum, zwei Restaurants, fünf Tagungsräume mit dem technischen Know-how und die urgemütliche Empfangshalle mit offenem Kamin.

 

Regelmäßig finden im Hotel-Restaurant Berghof Seminare mit deutschen und ausländischen Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. Reisegruppen sind gleichermaßen gerne gesehen wie Vereine; zudem richten Paul und Klara Semmler mit ihren „guten Geistern“ auch gerne Betriebs- oder Familienfeiern aus. Das Hotel Restaurant Berghof ist ganzjährig und an allen Tagen der Woche geöffnet.

 

Juniorchef Peter Semmler ist ausgebildeter Koch und Restaurantfachmann und in der Küche zuständig. Tochter Hildegard Semmler ist Hotelbetriebswirtin und die Empfangschefin des „Berghofs“. Allein im Service sind zehn „gute Geister“ zum Wohl des Gastes tätig. Zum Haus gehören neben Sauna und eigener Wäscherei schließlich auch ein Hallenbad und ein Fahrstuhl. Eine familiäre Atmosphäre und ein günstiges Preis-Leistungs-Gefälle – das seien die Faktoren, auf die er besonders achte, sagte mir Paul Semmler am Ende unseres netten Gespräches, das länger dauerte als ursprünglich vorgesehen. Dabei notierte ich mir auch noch die Telefonnummer 0661-66003. Am anderen Ende meldet sich dann die Tochter des Hauses, Hildegard Semmler, die Empfangschefin.

 

Text: Helmut Laibach, 1993


Ansprache zur Eröffnung des Erweiterungsbaus, verfasst von Josef Semmler 1976

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren!

 

Nachdem dieser Erweiterungsbau seine kirchliche Weihe erhielt und seiner Bestimmung übergeben wurde, möchte ich Ihnen kurz einiges über die Entwicklung des Gast- und Pensionshauses berichten:

 

Lassen Sie mich in den Mittelpunkt des Geschehens eine Frau rücken, die unter den Ehrengästen eine hervorragende Stellung einnimmt. Ich bin froh, dass sie mit ihren 76 Jahren heute mit uns feiern kann, unsere Mutter. Sie war es, die in ihrem Leben nur Gebet und Arbeit gekannt und nach dem Tode unseres Vaters im Jahre 1948 alles daran gesetzt hat, aus uns sechs unversorgten Kindern brauchbare Menschen zu machen. Das war bestimmt nicht leicht gewesen, denn neben ihrer kleinen Rente von 110 DM hatte sie für den Lebensunterhalt nur die kargen Gewinne des kleinen Lebensmittelgeschäftes, das von ihr die stete Einsatzbereitschaft neben der Hausarbeit und den Erziehungsaufgaben forderte.

 

Die Entwicklung der 50er Jahre verlangte eine größere und modernere Ladenfläche. Paul ergriff seinerzeit die Initiative und erstellte den etwa 60 Quadratmeter großen Verkaufsraum im Kellergeschoss*, auf dem er schließlich zwei Jahre später im Jahre 1961/62 den ebenso großen Gastraum errichtete. Dazu musste das Vaterhaus generell umgebaut werden. Wenn sich unsere Mutter auch nicht gerne daran erinnert, so war es doch ihr Wunsch, dass dieses Stück Arbeit gemeistert wurde. Ohne Treppe im Haus bewohnte sie das Dachgeschoss. Nach der Arbeit im Laden und im Haus stand sie abends bis spät in die Nacht neben den freiwilligen Helfern in Reih und Glied um mitzuhelfen.

 

Am 23.05.1963 war es dann soweit: In Almendorf eröffnete Paul Semmler sein Gast- und Pensionshaus „Berghof“. Ja, seine Gaststätte und der Name „Berghof“ waren bald ein Begriff geworden. Seine Ehefrau Klara, die er vier Wochen später heiratete, wurde ihm eine tüchtige Köchin, seit diesem Zeitpunkt ist sie die Stütze und Seele der weit bekannten, gut geführten Küche.

 

Diese erste Gaststätte mit Pensionsbetrieb mit insgesamt 70 Sitzplätzen und 3 Doppelzimmern wurde bald zu klein, sodass im 4. Jahr 1967 durch einen Erweiterungsbau die Kapazitäten auf 100 Sitzplätze und 21 Betten erhöht werden konnten. Ebenso wurde die Küche entsprechend der Gasträume vergrößert und moderner eingerichtet. 1971 war wieder Baujahr. Diesmal wurde der linke Trakt errichtet mit weiteren 12 Betten und 50 Sitzplätzen, neuen WC-Anlagen und Fernsehraum im Keller. Schon diese neuen Zimmer waren mit WC, Dusche und Telefon ausgestattet.

 

Und wieder vier Jahre später in 1975, im Jahr der Rezession, begann der Gastwirt mit dem Bau, der mehr als doppelt so groß werden sollte wie der erste Baukörper mit seinem 2 Erweiterungstrakten. Dazu gehörte eine Menge unternehmerischer Mut. Er baute dieses Hotel mit 28 Einzel- und Doppelbetten, dem großen Raum mit 90 Plätzen, indem wir uns hier befinden, dem Frühstücks-, dem Fernseh- und dem Leseraum. Im Keller befinden sich das Hallenbad, die Sauna mit Solarium und die zwei Kegelbahnen mit der Bar. Damit wird das Freizeitangebot wesentlich erweitert.

 

Der anspruchsvolle Gast sucht in unserer Zeit in einem Hotel und Restaurant wohnliche Atmosphäre und eine individuelle Bedienung, egal ob er ein kleines Separee wünscht oder mit einer größeren Gesellschaft unterwegs ist. Diesen Wünschen kann der Wirt heute noch besser gerecht werden. In diesem Beruf des Dienstes am Gast werden in Zukunft hier auch junge Menschen ausgebildet werden. Da Frau Semmler eine Prüfung als Ausbilderin vor der IHK Fulda abgelegt hat, hat das Hotel Berghof Ausbildungsplätze geschaffen.

 

 

* in der originalen Kopie der Rede ist die Rede vom "Erdgeschoss", in dem sich der Laden befunden habe. Doch der Laden befand sich im Kellergeschoss und der Gastraum im damaligen wie heutigen Erdgeschoss.